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„Jauchzet, frohlocket, auf preiset die Tage!" PDF E-Mail
Sonntag, 20. Dezember 2009 um 00:00 Uhr
Weihnachtsoratorium
Bad Wurzach - Das strenge Winterwetter mag doch einige Leute abgehalten haben, denn die St. Verena- Kirche in Bad Wurzach war nicht so gut gefüllt. Die dargebotene Musik war jedoch exzellent.   

„Jauchzet frohlocket" - gibt es ein schöneres Motto für die kommenden Tage, in denen wir die Ankunft des Herrn feiern?

Das dachte sich auch J.S. Bach, als er die Worte eines ihm unbekannten Textdichters seinem Huldigungschor an den sächsischen Kurfürsten unterlegte und später zum Eingangschor des Weihnachtsoratoriums umfunktionierte. Parodieverfahren hin- oder her, man kann den Jubel über die Ankunft des Erlösers kaum besser ausdrücken, als es durch Bach geschehen ist.

„Jauchzet frohlocket" ist das Leitmotiv des Weihnachtsoratoriums, bestehend aus 6 Kantaten für die Sonn- und Feiertage der Festzeit. Eine beachtliche Aufführung der Teile 1-3 (Geburt Jesu - Verkündigung an die Hirten - Die Hirten an der Krippe) brachten am 4. Adventswochenende der Kammerchor am Gymnasium Bad Waldsee, der Kirchenchor Bad Wurzach begleitet von einem homogenen Instrumentalensemble und namhaften Solisten unter Leitung von Robert Häusle zu Gehör.

Im Wechsel zwischen dem Evangelientext in Rezitativen stehen Choräle der Gemeinde, Chöre und betrachtende Arien aus freier Dichtung, die die subjektiven Empfindungen im Evangelientext widerspiegeln.

Strahlend und temperamentvoll in zügigen (aber nicht überzogenen) Tempi erklangen die präzise einstudierten Eingangschöre der Teile 1 und 3 und auch der herrliche aber schwere Ehre-sei-Gott Chor im 2. Teil ertönte in großer Leichtigkeit und rhythmischer Präsenz. Klanglich recht homogen die Choräle. Die Solisten wurden ihrer Aufgabe gerecht: Martina Schmid-Pfeifer mit ihrem leichten, auch in der Höhe warmen Sopran in der Rolle des Engels und im etwas sperrigen Duett „Herr, dein Mitleid" mit dem Solobass. Birgit Halders dunkle Altstimme zu Beginn etwas dünn, entfaltete sich von Arie zu Arie und Markus Herzog zeigte als Evangelist technisches Können und stimmliche Ausdruckskraft. Hermann Lochers schön leuchtender Bass beeindruckte in der Arie „Großer Herr und starker König, sowie in den zu den Chorälen hinführenden Rezitativen.

Das Orchester aus Streichern (Konzertmeister Johannes Hartmann) und Bläsern sowie einer virtuosen Pauke, begleitete überzeugend und einfühlsam. Besonders hervorzuheben sind die Holz- und Blechbläsergruppe, die ihre teilweise recht schwierigen Partien klangschön und technisch brillant spielten.

Dies kam besonders in der Gestaltung der Arien zum Ausdruck. Selten lässt Bach die Singstimme vom Contiuno allein begleiten. Ein obligates Soloinstrument umspielt diese und so gelingt es ihm, die jeweiligen Empfindungen noch mehr auszudrücken. In der Hirtenarie ist es die Querflöte, in den besinnlichen Arien oft die Oboe oder Oboe d'amore und auch die Violine, die Bach Trompete dann, wenn das neugeborene Kind schon als König und Herrscher gefeiert wird. Ein großes Lob den Instrumentalsolisten, wie auch der sicher und zuverlässig begleitenden Contiuno-Gruppe.

Robert Häusle leitete Chor und Orchester in großer Konzentration und Präsenz und brachte eine eindrucksvolle Gesamtleistung zustande, die dem Zuhörer nicht nur den mitreißenden Schwung der Musik J.S. Bachs, sondern hoffentlich auch deren tiefe Spiritualität näher brachte, ganz nach Bachs Lebensmotte: „Soli deo Gloria".

Großer Beifall am Schluss!

Bericht von Eva Roth
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